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Jenseits
Die Gewissheit des Todes hat die Menschen zu allen Zeiten herausgefordert, danach zu fragen, was sich hinter der Schwelle des Todes verbirgt.
Die Beantwortung dieser Frage ist eine Hauptaufgabe der Religion. Kern der religiösen Hoffnung sind die Vorstellungen von einem Leben nach dem Tode mit teilweise sehr konkreten Anschauungen. Heute sind die Jenseitsvorstellungen – wenn überhaupt vorhanden – eher unpräzise. Sie reichen vom sehr diffusen Glauben an ein Weiterleben im Jenseits bis zum Glauben an die Wiedergeburt.
Die kirchliche Verkündigung vermeidet heute realistische Bilder vom Jenseits, denn die christliche Auferstehungsforschung orientiert sich an der nach menschlichen Maßstäben unvorstellbaren Erneuerung der gesamten Schöpfung.

Todesstunde
In der Todesstunde trennen sich Leib und Seele, und es muss alles dafür getan werden, dass sie Seele frei entschweben kann (Fenster werden geöffnet, Dachziegel abgenommen) und der Leib (Leichnam) versorgt wird. Außerdem werden in der Todesstunde die Uhren angehalten und das Herdfeuer gelöscht. Beides setzt erst der Erbe nach der Beerdigung wieder in Gang. Die Spiegel werden abgehängt, damit die Seele nicht verirrt.
Es beginnt die Leichenpflege, das Waschen, Rasieren und Kämmen des Toten, die Nägel werden geschnitten; Gegenstände, die man dabei verwendet, werden unrein. Die Totenwaschschüssel wird zerschlagen oder durch ein Loch im Boden unbrauchbar gemacht. Kamm, Rasier- und Waschzeug und Schere werden später in den Sarg gelegt. Anschließend wird der Tote aufgebahrt (häufig auf Stroh), mit Aufkommen der Fotografie auch ein Totenportrait aufgenommen.
Dann muss der Tod bekannt gegeben werden, nach außen durch das Läuten der Totenglocke, durch den Leichenbitter oder die Todesanzeige, nach innen durch das sogenannte Todansagen an jegliche Kreatur und die ganze Hinterlassenschaft des Toten. Die Tiere im Stall , die Hennen auf dem Hof und die Bienen in den Körben müssen aufgeschreckt, die Pflanzen verrückt und alle verderbliche Ware wie Mehl oder Heu soll gewendet werden, sonst verdirbt alles.
Außerdem muss man sich um den Sarg kümmern, eine Grabstelle erwerben und das Öffnen des Grabes veranlassen. Seit der allgemeinen Einführung des Sarges im Laufe des 19. Jahrhunderts versuchte man ihn, teils durch billige Attrappen (Pappsargbeschläge) oder kunstvolle Handhaben (Griffe) aufzuwerten. Daran ist auch die Industrialisierung der Bestattung abzulesen, die erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend vom Bestatter organisiert und durchgeführt wird.

Sterben
Was ist der Tod? Ist der Tod ein biologisches Ereignis oder ein persönliches Gegenüber, gar der große Gegenspieler Gottes? Die Ärzte konstatieren mit komplizierten Apparaturen Herz- oder Hirntod, ohne seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Wiederbelebte Menschen behaupten, den Tod als eine Art Röhre mit einem hellen Licht am Ende des Tunnels erlebt zu haben. Aber der Tod bleibt ein Rätsel.
Sterben kann der Schlusspunkt eines erfüllten Lebens sein; in der Begrenztheit des Lebens liegt auch sein Sinn, denn grundsätzlich ist keine Entscheidung, keine biografische Station ist wiederholbar. Von daher begründet sich das Grundrecht des Menschen auf Leben. Der Tod wird so zu einem sinnstiftenden Ereignis.
Im Zeitalter der Massenmedien dringt vor allem der durch Unglück, Krieg, Katastrophen und Krankheit verursachte Tod ins Bewusstsein. Das ganz normale, natürliche Sterben und das Sterbezimmer als letzter Ort tragender Gemeinschaft sind selten geworden.

Bestatten
Der Mensch bestattet seine Toten; er tut dies auch aus hygienischen Gründen, er vollzieht die Bestattung aber auch als Abschieds- und Übergangsritual, um die Lücke zu schließen, die der Verstorbene hinterlässt.
Früher diente das kirchliche Begräbnis auch dem Ziel, die Seele des Verstorbenen für Gottes Reich zu bewahren. In der heutigen, säkularisierten führt der Verlust christlich motivierter Handlungen bei der Beerdigung auch zum Verfall psychologisch wichtiger Rituale.
Mit dem Eintritt des Todes begannen die Vorbereitungen für das Begräbnis. Der Tote wurde gewaschen, angekleidet und aufgebahrt.
Am Anfang der eigentlichen Bestattung stand die Veröffentlichung des Todes, der Leichenbitter machte den Tod bekannt: er wurde von der gedruckten Todesanzeige abgelöst.
Der Sarg war früher ein Privileg der Oberschicht, die ihn zur Repräsentation und zur Verkündigung ihrer christlichen Hoffnung prächtig schmückte. Die hölzernen Särge aus Trendelburg (Nordhessen) aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind bunt mit Wappen und Vergänglichkeitssymbolen bemalt.
Für alle Schichten üblich wurde der Sarg jedoch erst mit dem Aufkommen der Leichenhäuser im 19. Jahrhundert.

Trauern
Mit Trauer reagiert der Mensch auf den Verlust eines ihm nahestehenden Menschen, Trauer ist ein Prozess. Innerhalb eines gewissen Zeitraumes („Trauerjahr“) durchläuft ein Hinterbliebener mehrere Phasen, in denen er – teils emotionslos, teils zustimmend, teils aggressiv – den Verlust verarbeitet (Trauerarbeit), um schließlich wieder uneingeschränkt am Leben teilzunehmen.
Trauerkleidung und Trauerschmuck waren einst selbstverständlich, werden heute aber nur noch vereinzelt und kurzfristig getragen. Sie erfüllten eine Schutzfunktion für den Trauerenden, den sie als nicht voll belastbar auswiesen. Heute stehen dem nächsten Angehörigen bei einem Todesfall allenfalls zwei arbeitsfreie Tage zu, dann wird von ihm wieder volle Leistungsfähigkeit erwartet.
Schwarz als Trauerfarbe in unserem Kulturkreis beruht auf der ebenfalls schwarzen Festtagstracht vergangener Zeiten; in anderen Kulturen hingegen ist Weiß die Trauerfarbe (z.B. in Indien oder China).
Trauer ist keine Krankheit, kann aber im Einzelfall krank machen. Aus den Ritualen unserer Vorfahren können wir lernen, dass eine gelungene Trauerarbeit mit dem öffentlichen Bekennen und Aussprechen des Verlustes beginnt.
Heute ist das Trauern in der Öffentlichkeit verpönt, der Schmerz über den Verlust wird verinnerlicht. Deshalb müssen immer häufiger Psychologen, Therapeuten und Selbsthilfegruppen bei krankhaft verlaufenden Trauerprozessen helfen.

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